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Der Alltag an Bord ist oft anstrengend und hart, aber auch vielseitig und abwechslungsreich: Genug zu tun ist für die Kadetten immer. Brücken-, Decks- und Hafenwache bestimmen ihren Tagesablauf. Sebastian Bomm hat zusammen mit sieben anderen Kadetten seine erste Fahrzeit von sechs Monaten auf einem Ausbildungsschiff der Sea Academy abgeleistet.
Vom Alltag an Bord berichtet Kadett Sebastian Bomm auf dem Weg nach Südafrika
„Sonntag, 8 Uhr: Gerade hat meine letzte der jeweils vierstündigen Brückenwachen für diese Woche begonnen. Sehen, hören, kontrollieren, reagieren – das steht bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe mit dem Kapitän hoch oben auf der Brücke im Mittelpunkt. Und natürlich wie immer so viel wie möglich dazuzulernen. Mein Blick schweift über den Horizont. Einzelne Wolken hängen am endlosen Himmel, die Sonne spiegelt sich im Meer, das sich bei Windstärke zwei nur leicht bewegt. Der Blick auf die Wetterkarte verspricht ein stabiles Hochdruckgebiet. Um uns herum nichts als Wasser, selbst der Radar zeigt keine Hindernisse. Mit 17,4 Knoten zerschneidet unser fast 160 Meter langes Schiff die Wasseroberfläche. Hier oben auf der Brücke über dem Meer zu thronen, ist für mich immer wieder ein erhabenes Gefühl. Die meisten Aufgaben erledige ich mittlerweile routiniert. Die Reiseroute muss geplant und auf den vorher herausgesuchten Seekarten eingetragen werden.
12 Uhr: Der letzte Dienst in dieser Woche ist zu Ende. Werktags hätte ich jeweils um 20 Uhr noch einmal vier Stunden Wache, heute steht uns Kadetten jedoch der Rest des Tages zur freien Verfügung. Ich nutze die Zeit für einen Blick in mein Training Record Book, darin ist quasi das gesamte Lehrpensum in der Sea Academy für ein Jahr auf See festgehalten. Am Ende muss es komplett abgearbeitet sein. Ich setze mich heute in einer schriftlichen Ausarbeitung mit den Trennvorschriften für gefährliche Güter anhand eines konkreten Ladefalls auseinander.
17:30 Uhr: Sonntags hält unser Koch meist etwas Besonderes beim Abendessen für alle bereit, heute ist es ein Wildgericht mit Vorspeise und süßem Nachtisch. Klar, die Möglichkeiten an Bord sind begrenzt und es schmeckt nicht immer wie bei Muttern. Aber das gehört eben auch zum Leben an Bord dazu.
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Montag, 8 Uhr: Die Deckswache beginnt. Sie dauert mit Pausen jeweils bis etwa 17 oder 18 Uhr. Solange wir auf See sind, wechselt sich die Deckswache im Wochenrhythmus mit der Brückenwache ab. Die Hafenwache als dritte Einheit steht jeweils zwischen Ein- und Auslaufen des Schiffes. Unterricht und Training, aber auch Wartung und Pflege der Maschinen und anderer Bestandteile des riesigen Frachters kennzeichnen die nun kommende Zeit für mich. Die salzige Luft und das Meerwasser greifen Metalle schneller an als auf dem Festland. Arbeiten wie Rostentfernung, Streichen der Oberflächen oder Fetten der Lager fallen somit ziemlich häufig an. Jetzt heißt es Helm aufsetzen, Arbeitshandschuhe anziehen und sich auf dem schwankenden und windigen Deck zum Vorschiff „durchkämpfen“. Nach einigen Monaten auf See habe ich mich an diese Bedingungen gewöhnt und bewege mich überall sicher. Vorn eingetroffen bekommen verschiedene Gegenstände – darunter eine Ankerkette – von mir ein strahlendes Weiß verpasst. Zur Orientierung markiere ich alle 25 Meter ein Kettenglied rot.
15:30 Uhr: Unterrichtsbeginn im Klassenzimmer. Heute steht wieder einmal die Schiffssicherheit auf dem Stundenplan. Der entsprechende Vorschriftenkatalog ist dick wie das Telefonbuch einer mittleren Großstadt.
19 Uhr: Zum Feierabend haben es sich einige von uns Kadetten gemeinsam mit anderen Mannschaftsmitgliedern in der sogenannten Messe gemütlich gemacht. Bei einer Partie Karten kommt gute Stimmung auf. Danach sorgt noch ein Film für Unterhaltung.
Dienstag, 10 Uhr: Sicherheit genießt an Bord allerhöchste Priorität. Etwa 30 verschiedene Notfälle werden regelmäßig trainiert. Ich stehe vor der Ruderanlage im Maschinenraum und steuere das Schiff getreu den Anweisungen des Kapitäns von Hand. Dieser „Drill“ testet die Funktionsweise der Ruderanlage im Manuellbetrieb, falls die Steueranlage der Brücke einmal ausfällt.
14 Uhr: Heute findet der Unterricht im Maschinenraum statt. Auch Nautiker müssen sich dort auskennen und die wichtigsten Arbeiten erledigen können. Die Funken sprühen – ich übe mich im Umgang mit dem Schweißgerät.
18 Uhr: Ein Sturm ist aufgezogen, die aufgewühlte See lässt unser Schiff gehörig stampfen und rollen. Der Schwergutfrachter schwankt mit einer Krängungsneigung von bis zu 15 Grad. Alles, was nur lose herumlag, hat sich mittlerweile auf dem Boden verteilt. Seekrankheit ist bei mir zwar kein Thema, aber besonders angenehm und appetitanregend ist dieses beständige Hin und Her trotzdem nicht.
22 Uhr: Nach dem anstrengenden Tag freue ich mich auf meine Koje. Auch an das Schlafen bei solchem Seegang – zusätzlich erschwert durch das deutliche Vibrieren und Dröhnen der 10.000 PS starken Hauptmaschine – habe ich mich Gott sei Dank mittlerweile gewöhnt.
Mittwoch, 11 Uhr: Zusammen mit anderen Kadetten kontrolliere ich den Zustand der Ladung. Zahlreiche fachmännisch als „Lashings mit Turnbackles“ bezeichnete Zurrgebinde halten die Fracht in der gewünschten Position, von Zeit zu Zeit und abhängig vom Wetter müssen sie nachgezogen oder leicht gelockert werden. Außerdem verlangen sie nach regelmäßigem Nachfetten, um leichtgängig zu bleiben.
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14:30 Uhr: Die Küste Südafrikas ist in Sicht, der Schwergutfrachter hat seine Fahrt mittlerweile verlangsamt. Der Schiffsverkehr um uns herum nimmt zu. Das bestellte Lotsenboot fährt bereits parallel, wir helfen unserem nautischen Berater an Bord. Bald darauf beginnt die Einfahrt in den Hafen von Durban, der zweitgrößten Stadt Südafrikas.
16 Uhr: Wir legen die Festmacherleinen des Schiffes „klar“ und bereiten alles für das Anlegemanöver vor. Das Schiff befindet sich jetzt fast an der Pier und bewegt sich nur noch Zentimeter für Zentimeter vorwärts. Auch mithilfe eines Lotsen ist viel Können und Erfahrung notwendig, den schwimmenden Koloss sicher anzulegen. Per Funk erteilt der Kapitän das Kommando „Send spring line ashore“. Ich schleudere eine der Wurfleinen den an Land stehenden Arbeitern zu. Das Dichtholen mit der Winde geschieht fast ohne Worte. Die Mannschaft ist eingespielt und beherrscht alle Handgriffe routiniert. Die Verständigung geschieht – auch wegen des hohen Geräuschpegels – fast nur mit Gestik.
16:50 Uhr: Wir haben festgemacht! Meine Kollegen fahren die Gangway aus und lassen die Hafenbehörden zur Überprüfung der Dokumente an Bord. Später betreten noch unser Hafenagent und der Beluga Cargo Superintendent das Schiff. Letzterer wird das anstehende Laden und Löschen begleiten. Ich begrüße beide kurz und erfahre den letzten Stand des Operationsablaufs im Hafen. Wir werden voraussichtlich morgen früh um 7 Uhr mit dem Laden beginnen. Doch für mich ist heute erst einmal Feierabend. Morgen um 6 Uhr beginnt meine vierstündige Hafenwache an der Gangway, danach noch einmal vier Stunden Ladewache. Ich weiß noch nicht, ob heute Zeit bleibt für einen Landgang und einen Besuch der Millionenmetropole im Süden des Schwarzen Kontinents. Doch warten auch auf dem Schiff spannende Aufgaben. Am Kai sehe ich schon den über 30 Meter hohen Hafenkran, den wir mit unserem eigenen Krangeschirr morgen früh an Deck laden werden.
Persönliches
Sebastian Bomm studiert im zweiten Semester Nautik an der Jade-Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth und hat im Frühjahr 2010 sein erstes Praxissemester erfolgreich hinter sich gebracht. Der gebürtige Norddeutsche aus Rothenburg an der Wümme hat bereits eine Ausbildung als Schifffahrtskaufmann abgeschlossen und erste seemännische Erfahrung auf einem Kreuzfahrtschiff gesammelt. An der Seefahrt reizen ihn die Abwechslung und die immer wieder neuen Herausforderungen an Bord. Der 23-Jährige möchte sein Kapitänspatent auf jeden Fall ausfahren und einmal ein eigenes Team auf einem Schiff führen.





