Kadetten

Hier kommen die Kadetten der Sea Academy zu Wort

Sebastian Eigenrauch

Atemberaubende Momente

Sebastian Eigenrauch gehört zu den ersten Kadetten der Beluga Sea Academy. 2005 kam er zur Besatzung des MS „Beluga Inspiration“, um sein erstes Praxissemester an Bord zu absolvieren, die Voraussetzung für ein Nautiksstudium in Deutschland. 2010 absolvierte er dann seine zweite Fahrzeit auf einem Schiff der Beluga Flotte - weitere sechs Monate, in denen er die in seinem Studium erworbenen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. In folgendem Interview blickt der junge Mann, der auf der 18 Quadratkilometer großen Nordseeinsel Spiekeroog aufwuchs, auf eine ebenso lehrreiche wie aufregende Zeit auf See zurück:

Sie sind einer der ersten Kadetten, welcher die Sea Academy seit ihrer Gründung 2005 komplett durchlaufen hat. Wie würden Sie die Unterschiede zwischen dem ersten und zweiten Praxissemester beschreiben?
„Ich denke, die Unterschiede liegen vor allem in den Aufgaben. Während meiner ersten Fahrzeit ging es in erster Linie darum, sich grundlegend mit den Aufgaben auf einem Schiff vertraut zu machen. Das zweite Mal wurde ich dann intensiver in die Arbeitsabläufe an Bord eingebunden. 2005 war ich überall beschäftigt, auf der Brücke, an Deck oder im Maschinenraum. 2009/10 habe ich insbesondere verantwortliche Aufgaben auf der Brücke wahrgenommen, dazu gehörten zum Beispiel Ausguck, Wache, Navigation, Routenplanung oder Ladung – selbstverständlich immer unter Aufsicht der diensthabenden Schiffsoffiziere.

Mir kamen die beiden Praxissemester sehr unterschiedlich vor. Ich bin am Meer aufgewachsen und immer gerne gesegelt. Aber auf einem mit einer internationalen Crew besetzten Mehrzweck-Schwergutfrachter zu fahren, ist einfach eine überwältigende Erfahrung. Ich habe so viele neue Dinge dazugelernt, nicht nur über die Seefahrt. Dazu gehört beispielsweise fließend englisch zu sprechen. Oder wie man einen Hai fängt. Alles in allem habe ich die zweite Fahrzeit mehr genossen, da ich mich auf ein klar definiertes Aufgabenfeld berufen und mich so mehr nützlich machen konnte.“ 

Sie scheinen ja angetan zu sein von der Ausbildung in der Sea Academy. Gibt es etwas, was aus Ihrer Sicht noch verbessert werden könnte?
„In meinen Augen hat sich die Zweiteilung der praktischen Ausbildung bewährt. Besonders sinnvoll ist der zusätzlich eingestellte Ausbildungsoffizier, der den künftigen Crewmitgliedern theoretisches Wissen und praktische Erfahrungen vermittelt. Die Ausbildung bei der Sea Academy bereitet gut auf eine qualifizierte Tätigkeit auf einem Schiff vor. Ich möchte dabei nochmals die exzellente Betreuung von A bis Z betonen. Das Team hat mich in jeder Weise unterstützt, von meiner ersten Anfrage und der darauffolgenden Bewerbung für einen Platz in der Sea Academy bis heute. An Bord wird man als ein ganz normales Besatzungsmitglied akzeptiert, außerdem gehört ein wöchentlicher Bericht über den Fortschritt des Ausbildungsprogramms zu den Aufgaben, so dass man sich nie allein gelassen fühlt. Der Kontakt zu meinen Betreuern blieb immer erhalten, auch während meiner Ausbildung an der Uni an Land.“ 

Wenn Sie jungen Menschen vom Leben auf See erzählen müssten, was würden Sie sagen? Warum sollte es Ihnen jemand gleichtun und eine Karriere in der Seefahrt beginnen?
„Es hört sich an wie ein Klischee aus der „guten alten Zeit“, doch wenn ich an Bord auf der Brücke oder an Deck bin, mit nichts als dem Himmel, dem Wind und den Wellen um mich herum, dann atme ich tief durch und fühle mich frei. Ich könnte niemals an Land in einem Büro arbeiten. Natürlich müssen Familie und man selbst die Tatsache in Kauf nehmen, über mehrere Monate im Jahr nicht zuhause zu sein. Aber es geht auch nichts über die Rückkehr nach einer solchen Reise.

Ich denke, dass kein anderes Berufsfeld so abwechslungsreiche Tätigkeiten bietet wie die Seefahrt. Wir sind nicht nur Stuermänner, sondern zugleich Ärzte, Ingenieure, Experten für interkulturelle Kommunikation, Meteorologen und Geschäftsleute. Man agiert in so vielen verschiedenen Situationen, die gesunden Menschenverstand und schnelle Entscheidungen erfordern, wie nirgendwo sonst. Diese Herausforderungen zu meistern bedeutet eine enorme Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins und außerdem – wer sonst kann so viele atemberaubende Geschichten nach der Arbeit erzählen? Auf See sieht man die Ergebnisse der eigenen Arbeit, zieht mit einem Team wirklich an einem Strang und kommt viel in der Welt herum, auch wenn meist nicht viel Zeit für die Entdeckung der Städte bleibt, die das Schiff anläuft.

Der Job bedeutet jede Menge harte Arbeit, sowohl körperlich als auch seelisch, und oft kriegt man eine Zeit lang nicht einmal genügend Schlaf, aber das Gefühl der Verantwortung und die großen Herausforderungen kompensieren das alles.“

Jörg Bresselschmidt

Jörg Bresselschmidt studiert Schiffsbetriebstechnik an der Hochschule Bremerhaven. Er absolvierte sein erstes Praxissemester in der Sea Academy auf dem Ausbildungsschiff MS „Beluga Recommendation“. 

Warum die Seefahrt?
„Motoren, der Geruch von Öl und Diesel, die Funktionsweise aller Arten von Maschinen faszinieren mich seit der Kindheit. Vor dem Beginn meines Studiums hatte ich bereits eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker abgeschlossen. Die Aufgaben auf einem Schiff sind aber wesentlich komplexer und anspruchsvoller. Als Chief Engineer sorgt man insbesondere für den reibungslosen Betrieb der Hauptantriebsmaschine, die um ein Vielfaches größer und leistungsfähiger ist als ein Kfz-Motor. Außerdem gibt es zahlreiche weitere Anlagen, deren Funktionstüchtigkeit in der Verantwortung des ‚Chiefs’ liegt.“  

Wieso die Sea Academy?
„Beluga Shipping kooperiert mit der Hochschule Bremerhaven und darüber kam schließlich der Kontakt zur Sea Academy zustande. Von Ex-Kadetten hatte ich bereits viel Positives gehört. Damals wie heute hat mich vor allem das Ausbildungskonzept überzeugt: Ein Trainingsoffizier klärt über den theoretischen Hintergrund auf, anschließend wird das Gelernte direkt am zukünftigen Einsatzort vertieft. Einen solchen Praxisbezug kann man sich für andere Studiengänge nur wünschen. Der Lerneffekt ist enorm, da man gleichzeitig als Mannschaftsmitglied das System Schiff mit seinen vielen Besonderheiten kennen lernt. So wird zudem klar, ob beispielsweise das lange Fernbleiben von Zuhause etwas für einen persönlich ist. Bei mir war das Ganze kein großes Problem, im Gegenteil, meine Familie und meine Freundin sind ziemlich stolz auf mich und haben mich bei meiner Entscheidung für den Seefahrerberuf unterstützt.“  

Was macht das Leben an Bord aus?
„Der erste Sturm ist mir noch gut in Erinnerung. Etwas mulmig war mir da schon zumute, aber das gehört einfach dazu. Zu den schönsten Momenten zählte für mich die Durchquerung des Panama-Kanals.
Was mir besonders gefallen hat, war der Zusammenhalt an Bord, nicht nur unter den Kadetten. Trotz Kommunikation in Englisch gab es keine Verständigungsprobleme. Barbecues oder gemeinsame Landgänge brachten Abwechslung in den Schiffsalltag. Wieder zurück an Land kann ich sagen, dass mich die Zeit auf dem MS ‚Beluga Recommendation’ bestens auf das Studium vorbereitet und mich hinsichtlich meines Berufswunsches bestärkt hat.“

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterKadett Sebastian Bomm

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterExpertenrunde: Nachwuchsförderung in der Schifffahrt

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterAusbilder

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterDozenten / Verband

 

drucken | Seite weiterempfehlen 
http://www.sea-academy.de/meinung/kadetten/
| RSS-Feed
 
content.html